Institution: ‘Pesther und Ofner Musikverein’

Existenzzeitraum
[ 3.10.1836 - 1948 ]   (Eine erste Sitzung fand schon Frühling 1836 statt, nachdem Alois Schedius die Statuten des gründenden Vereins nach dem Vorbild der wiener Gesellschaft der Musikfreunde verfasste. Die Statuten wurden an der Stizung von 19. Juli 1836 aufgenommen, wo auch ein provisorischer leitender Ausschuss gewählt wurde. Die offizielle Genehmigung geschah am 3. Oktober 1836. 5. März 1840 eröffnete der Verein eine Gesangschule, 1840 -1851 wirkten die zwei Institutionen, der Verein und die Gesangshule parallel. 6. Januar 1851. wurden die zwei Institutionen vereinigt. 1867 wurden die Statuten umarbeitet, und die Institution übernahm der Name „Nemzeti Zenede” [Nationalkonservatorium]. 1948 wurde der Musikverein aufgelöst, das Konservatorium wurde in zwei geteilt: 1. „Bartók Béla Zeneművészeti Szakközépiskola és Gimnázium” [Béla Bartók Fachschule für Musik und Gymnasium] 2. „Liszt Ferenc Zeneművészeti Egyetem Tanárképző Intézete” [Musiklehrer Institut der Liszt Ferenc Universität für Musik] Beide Nachfolger-Institutionen sind fortgehend tätig. )
Sitzort
Pest   (Obwohl der Verein Musiker aus beiden Städten, Pest und Ofen/Buda beschäftigte, war die Geschäftsstelle des Vereins in Pest, wo die meisten und bedeutendsten kulturellen Institutionen, Theater und Konzertsäle funktionierten. (Die zwei Städte wurden 1873 vereinigt.) )
Staat, heutige Zugehörigkeit
Magyarország
Mitgliederzahl
200   (Sitzung 02.10.1836. 200 mitwirkende und unterstützende Konzert 27.11.1836 160 mitwirkende Verzeichnis 1836/37 66 mitwirkende und 531 zahlende (aktionäre) Bericht 1843/44 44 mitwirkende und 187 Ehrenmitglieder Bericht 1844/45 48 mitwirkende )
Zugänglichkeit
Uneingeschränkt
Finanzmittel
400 Forint   (Kommentar zum vorangegangenen Kategoriekomplex – Stammvermögen: Jedes Vereinsmitglied (mitwirkendes und unterstützendes) zahlte 2 fl. ein für allemal zur Bildung eines Stammvermögens. – Die unterstützende Mitglieder zahlten einen jährlichen Beitrag. Wer die Bezahlung dieses Beiträges mehrere Jahre versäumte, sollte zum Stammvermögen wieder zahlen, als bei dem Eintritt eines neuen Mitgliedes. – Einzelne Beiträge Die Ehrenmitglieder verehrten dem Verein gewöhnlich eine größere einzelne Spende („ein für allemal”), der vielleicht später andere unregelmäßige Beiträge folgten. Franz Liszt spendete die Einnahme von zwei seiner Koncerten. – Stiftungen Einige Beiträge wurden als Stiftungen für einen bestimmten Zweck behandelt. – Konzertabonnements: Die unterstützende Mitglieder zahlten für eine Eintrittskarte zu allen Vereinskonzerten als jährliches Abonnement 2 fl., für drei Karten 5 Fl. Conv. Münze. – Konzertkarten: Nichtmitgliedern wurden einzelne Karten per 1 fl. 20 kr. Verabfolgt. – Nach der Eröffnung der Gesangschule konnten die Mitglieder des Vereins auch Aktionäre der Gesangschule sein. Sie konnten als Aktionäre ein Schüler in der Schule kostenlos einschreiben. – Die Schüler, die von keinem Aktionär unterstützt waren, bezahlten Schulgeld. Die Finanzmittel des Vereins wurden durch die Schule soviel verbessert, dass der Vorstand bedauerte, die Schule nicht früher gegründet zu haben. )
Zielsetzung
Hauptzweck: – „Echte Kentniss und vollendete Ausübung der Musik an die beste Art zu befördern, um – eine höhere Entwicklung und Bildung des Gefühls für die reineren Freuden der Tonkunst und Geselligkeit zu verbreiten.” Zur Erreichung dieses Zweckes: – Aufführung großer klassischen Musikwerke – Gelegenheit zur Übung für seine Mitglieder zu verschaffen – Unterstützung von talentsvolle Anfänger – Eröffnung von öffentlichen Musikanstalten, wo unbemittelte junge Leute beiderlei Geschlechts unentgeltlichen Unterricht genießen sollten – Beförderung der Komposition vorzüglicher musikalischen Werke (einheimischer Musiker) durch Ausschreibung von Preise – Eine musikalische Bibliothek anzulegen – Eine Pensionanstalt zu begründen – Die Wirksamkeit des Vereins öffentlich bekkant zu machen
Tätigkeit (Verschlagwortung)
Instrumentalvereinigung
Musikausbildungsinstitut   (5. März 1840 eröffnete der Verein eine Gesangschule, 1840-1851 wirkten die zwei Institutionen parallel. Der leitende Ausschuss des Musikvereins war gleichzeitig das Leitungsorgan der Gesangschule. 1851 eröffnete der Verein mehrere Instrumentalklassen, damit übernahm die Schule den Namen "Konservatorium unter der Leitung des Pestofner Musikvereins." Demselben Jahr wurden die zwei Institutionen auch finanziell vereinigt. Nach 1867 kann die Konzerttätigkeit des Vereins nicht mehr dokumentiert werden. )
Nationale Ausrichtung
ungarisch   (Der Musikverein entstand als ein städtischer Verein, wo die nationale Angehörigkeit keine besondere Rolle spielte. Die ersten Sitzungsprotokollen wurden Deutsch geführt. Die Jahrbücher der Gesangschule (ab 1840) und später die des Konservatoriums (ab 1851) erschienen in beiden Sprachen, Ungarisch und Deutsch. Ab 1867 bezeichnete sich das Konservatorium als [ungarisches] "Nationalkonservatorium". Ab 1876 erschienen die Jahrbücher nur in ungarischer Sprache. )
Versammlungs- / Probestätte
Hotel "Zum Palatin"   (Ausschuss-Sitzungen: 1836-1837.)
Konservatorium   (1840-1897 Hoffmann-Haus (heute in Városház Str.) Ab 1897 in Semmelweis Str. 12.)
Nationalcasino   (Ausschuss-Sitzungen: ab 1846.)
Parkfiredersches Haus   (I. Stock (heute Deák Ferenc Str.). Ausschuss-Sitzungen: Herbst 1837 - Winter 1845.)
Aufführungsstätte
Deutsches Theater   (Der Musikverein besaß keinen eigenen Konzertsaal.)
Nationalcasino
Redoute
Ungarisches Nationalmuseum   (Aufführungen im Prunksaal des Nationalmuseums.)
Ungarisches Nationaltheater
Sachbesitz
Noten, Bücher (Bibliothek) Instrumente Möbel Gebäude (ab 1897)
An der Institution beteiligte Person
Babnigg, Matthaeus / Chorleiter/in [ 1836 - ... ]
Binder, Sebastian / Lehrer/in für Gesang [ 1842 - 1844 ]
Brand, Michael / Archivar/in [ 27.9.1844 - 1847 ]   (Der erfolgreiche Komponist einer Oper, mehreren Messen und zahlreichen Klavierstücke wirkte auch als Vorstandsmitglied in derselben Zeit.)
Bräuer, Franz / Dirigent/in [ 7.11.1847 - 1850 ]   (Der Regens Chori der Stadtpfarrkirche wirkte drei Jahre als Vereinskapellmeister. 31.08.1845 - 29.04.1871 war er Vicedirektor der Gesangschule und des Konservatoriums.)
Doppler, Franz / Ausschuss-Mitglied [ 28.3.1852 - 31.3.1858 ]   (Der berühmte Flötenspieler war Vorstandsmitglied des Vereins und des Konservatoriums. )
Engesser, Joseph / Orchesterdirektor/in [ 11.11.1846 - 7.11.1847 ]
Engesser, Matthias / Lehrer/in für Gesang [ 1840 - 1882 ]   (Der Organist und Regens Chori der Stadtpfarrkirche wirkte mehr als 40 Jahre als Lehrer für Gesang und Chorleiter an der Gesangschule und Konservatorium. Ab 1853 unterrichtete er auch Musktheorie, Harmonie und Komposition. Er war auch Bibliothekar des Konservatoriums 1853-1882. )
Erkel, Ferenc / Dirigent/in [ 27.9.1844 - 7.11.1847 ]   (Der große Opernkomponist,Dirigent und Klavierprofessor funktionierte drei Jahre als Kapellmeister des Musikvereins. )
Erney, József / Lehrer/in für Klavierspiel [ 9.9.1867 - 1911 ]
Faigler, Géza / Lehrer/in für Komposition [ 2.11.1864 - 1873 ]
Festetics, Leo, / Vorsitzende/r (Institution) [ 22.10.1837 - 2.4.1845 ]   (Der Graf war ein mittelmäßiger Komponist. 28.03.1852 - 31.05.1869 wirkte er als Vorstandsmitglied des Vereins und des Konservatoriums. )
Fetter, Johann / Schatzmeister [ 1836 - 1838 ]
Filip, Karl / Lehrer/in für Klarinettenspiel [ 4.1.1851 - 1854 ]
Frankenburg, Adolf / Archivar/in [ 8.9.1841 - 1844 ]   (Der berühmte Avokat, Journalist und Schriftsteller wirkte 17.09.1841-04.06.1842 als Sekretär des Vereins. )
Huber, Karl / Lehrer/in für Violinspiel [ 29.9.1852 - 1886 ]
Klauß, Andreas Leopold / Schatzmeister [ 10.6.1838 - 2.12.1845 ]
Kohne, Ridley / Lehrer/in für Violinspiel [ 18.9.1850 - 1870 ]
Kürtz, Johann / Jurist/in [ 11.10.1850 - 10.11.1868 ]
Langer, Johann / Lehrer/in für Gesang [ 10.5.1856 - 1889 ]   (Der würdige Musiker wirkte ab Dezember 1845 als Chordirektor des Vereins, und 28.03.1852 - 30.04.1857 als Vorstandsmitglied.)
Löwinger, Ignaz / Schatzmeister [ 10.8.1839 - 9.1840 ]
Menner, Ludwig / Lehrer/in für Gesang [ 1840 - 1856 ]   (04.10.1843-08.06.1845 wirkte er auch als Chorlehrer des Vereins. )
Mátray, Gábor / Direktor/in [ 16.2.1840 - 19.7.1875 ]   (Der Musikwissenschaftler wirkte ab 30.11.1836 als Vorstandsmitglied des Vereins.)
Mészner, József / Direktor/in [ 29.4.1871 - 1890 ]   (1846-09-07.1876 wirkte er als Vorstandsmitglied.)
Neuhofer, Johann / Jurist/in [ 24.7.1863 - 1885 ]   (29.04.1862 - 09.07.1869 war er auch Vorstandsmitglied.)
Nikolics, Sándor / Lehrer/in für Flötenspiel [ 4.10.1865 - ... ]
Oberhoffer / Sänger/in [ 1836 - ... ]
Orczy, Béla, / Vorsitzende/r (Institution) [ 4.5.1865 - 7.10.1875 ]   (Er wirkte auch als Intendant des ungarischen Nationaltheaters in Budapest.)
Perlasca, Dominikus / Orchesterdirektor/in [ 1838 - 26.10.1841 ]   (Der Violoncellospieler wirkte 1836-1841 als Vorstandsmitglied, 02.10.1836 - 17.09.1841 War Sekretär des Vereins, und 29.03.1845-11.11.1846 wieder Orchesterdirektor. )
Pfeiffer, Anton / Lehrer/in für Flötenspiel [ 4.1.1851 - 1862 ]
Prónay, Gábor, / Vorsitzende/r (Institution) [ 17.2.1850 - 17.10.1875 ]
Reinel, Albin / Lehrer/in für Klarinettenspiel [ 3.11.1854 - 1891 ]
Reményi, Ede / Vorstandsmitglied (Institution) [ 28.5.1863 - 28.4.1872 ]   (Er war ein virtuoser Violinspieler, der auch mit Liszt konzertierte.)
Ritter, Alexander / Geschäftsführer/in (Institution) [ 4.6.1842 - 5.9.1876 ]   (1841-1849 wirkte er als Vorstandsmitglied.)
Schedius, Ludwig / Vorsitzende/r (Institution) [ 1836 - 22.10.1837 ]   (Gründer und erster Präses des Musikvereins.)
Schindelmeisser, Ludwig / Dirigent/in [ 5.10.1841 - 27.9.1844 ]   (08.06.1845 - Dezember 1845 wirkte er als Chordirektor des Vereins. )
Servaczinsky / Violinist/in [ 1836 - ... ]
Smekal, Paul / Orchesterdirektor/in [ 7.11.1847 - 1850 ]
Szmolka, Lajos / Sänger/in [ 1836 - ... ]
Szuk, Leopold / Lehrer/in für Violoncellospiel [ 25.10.1852 - 1890 ]
Thern, Karl / Lehrer/in für Klavierspiel [ 29.9.1852 - 1864 ]
Trautsch, Karl / Lehrer/in für Kontrabassspiel [ 3.1.1841 - 1910 ]
Treichlinger, Joseph / Orchesterdirektor/in [ 26.10.1841 - 29.3.1845 ]   (Der Musiker wirkte 08.11.1841 - Herbst 1844 auch als Archivar, und Dez. 1845-03.02.1850 als Vereinskassier. )
Trexler, Anton / Vorsitzende/r (Institution) [ 1836 - 10.8.1839 ]   (Er wirkte Herbst 1838 - 10.08.1839 auch als Kassavorsteher.)
Táborszky, Mihály / Violinist/in [ 1836 - 1840 ]
Urbani, Friedrich August / Dirigent/in [ 1836 - 5.10.1841 ]
Weiß, Franz Bernhardt / Schatzmeister [ 9.1840 - 1887 ]
Wöhler, Gotthard / Lehrer/in für Gesang [ 2.11.1855 - 1878 ]
Zapf, Anton / Lehrer/in für Klavierspiel [ 2.11.1865 - 1883 ]
Zichy-Ferraris, Emmanuel / Vorsitzende/r (Institution) [ 8.6.1845 - 17.2.1850 ]
Quelle: Druck / Handschrift
(1840-1849) Jahrbuch der Singschule des Pesther und Ofner Musikvereins./A' Pestbudai Hangászegyesület igazgatása alatti Nyilvános Énekiskola évkönyve. (1850-1866) Jahrbuch des Pesth-Ofner Musikvereins-Conservatoriums. /A' Pestbudai Hangászegyesületi Zenede Évkönyve. (1867-1875) Jahrbuch des National Conservatoriums / A Nemzeti Zenede Évkönyve. (1876-1838) A Nemzeti Zenede Évkönyve Bd. 1-88 1-50   (Eine neue Quelle: Tari Lujza - Iványi-Papp Mónika - Sz. Farkas Márta - Solymosi Tari Emőke - Gulyásné Somogyi Klára: "A Nemzeti Zenede", Budapest: Liszt Ferenc Zeneművészeti Egyetem Budapesti Tanárképző Intézete, 2005, schildert die musikalische Tätigkeit des Konservatoriums. Für die gegenwärtige Arbeit war sie unrelevant. )
Quelle: Archiv / Sammlung
Pesther und Ofner Musikverein / ohne Bezeichnung / ?   (Handschriftliche Protokolle und sonstige Dokumente in der Forschungsbibliothek der Franz Liszt Musikakademie, Budapest.)